Let’s make a list. Oder wie in diesem Fall eben gleich zwei. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit glaube ich, dass die besten Alben und Songs 2007 folgende waren:

Top of the Pops

Tele – Wir brauchen nichts (Universal)
Tele live im Dresdner Starclub gehört wohl mit zu den besten Konzerten des Jahres für mich. Technisch perfekte Mucker die sich zum Glück nicht in Gedudel verfranzen, sondern wissen wie man die Leute packt. Nämlich mit Songs wie “Bye Bye Berlin” oder “Li la lass mich in Ruhe”. Mit fluffigem Soulpop der zwischen den Stühlen sitzt und soviel Charme und Leichtigkeit versprüht, dass man sich fragt, warum das nur wenige andere Bands so hinbekommen.

The Mary Onettes – Dito (Labrador)
Kein Album klang dieses Jahr für mich schöner nach altem 80er Jahre New Wave und Indie Rock. Aus irgendeinem Grund interessierte mich das neue Interpol Album nicht die Bohne, hervorragender Ersatz kam allerdings in Form der Mary Onettes aus Schweden. Das vielleicht beste Album mit Gitarren in diesem Jahr.

Broken Social Scene Presents: Kevin Drew – Spirit If… (Arts & Crafts)
Some killer, some filler – Muss man zu dieser Platte mal so festhalten. Trotzdem überwiegen eben die Killer und wie bei Broken Social Scene klingt das hier weniger nach einem Bandalbum, als vielmehr nach einem Mixtape von jemandem mit einem sehr guten Musikgeschmack.

Burial – Untrue (Hyperdub)
Dubstep breitet sich weiterhin in alle Richtungen aus und verzückt seine Jünger jede Woche mit neuen Releases von Skream, Boxcutter, DJ Pinch und wie sie alle heißen. Doch selbst wenn mich davon einiges durchaus begeistert, nichts kriegt mich so sehr wie Burials Zweitwerk “Untrue”. Es rumpelt und brummt weiterhin so schön wie das Debüt, klingt wie ein nächtlicher Spaziergang durch die Großstadt und strahlt gleichzeichtig trotzdem die Wärme einer alten Soulplatte aus. Und laut gehört haut mich “Raver” immer noch um, ganz große Endorphindusche.

LCD Soundsystem – Sound of silver (DFA)
Ehrlich gesagt nervte mich “North American Scum” anfangs, aber bei diesem Album gibt es so wahnsinnig viel zu entdecken. Verdammt abwechslungsreich zwischen tanzbar und wohnzimmertauglich, ein Spiel mit den Stilen und James Murphy verliert dabei nie den roten Faden. “All my friends” ist das vielleicht schönste Lied des Jahres, man könnte heulen.

The Field – From here we go sublime (Kompakt)
Ohne, dass ich diesen Drang verspüren würde, aber wo bitte soll man das einordnen? Minimal, Trance, Shoegaze oder vielleicht schon fast Ambient? Kleinste Soundsamples werden hier zu einem hypnotisierenden Ganzen zusammengefügt, es shuffelt und loopt ohne jemals langweilig zu werden. Und selbst wenn einem das Label Kompakt und deren Sound nichts sagen, zumindest dieses Album sollte man gehört haben. Aus Kopfhörern, am besten laut.

Atmosphere – Sad Clown Bad Summer (Sad Clown Bad Dub #9) (Rhymesayers Entertainment)
Wo war Hip Hop eigentlich dieses Jahr? Ok, ein paar gute Tracks von Aesop Rock, Common, Kanye West oder anderen waren dabei, aber sonst? Zumindest Atmosphere dropten eine tolle EP mit fünf relaxten Hits. Die zweite EP aus 2007 bisher nicht gehört, sollte ich allerdings mal nachholen, vielleicht finden sich darauf noch mehr von diesen Oldschool angehauchten Schätzen. “We all think that you’re so cool cause nobody knows that nobody knows you.” Album dann im März.

Die Türen – Popo (Staatsakt)
Wie man so liest, bedienen sich die Türen ja song- sowie texttechnisch gerne mal bei anderen. Aber hat das bei Blumfeld jemanden gestört? Nö. Auf “Popo” dreht sich fast alles um das Thema Arbeit und den Status dauerbankrott, doch “Kein Geld, aber Disco” heißt das Motto. Und so treffen hier musikalisch gesehen Schweinerock auf heftigsten Soul und Funk, das alles eingetütet im Aldi-Outfit. Perfekte Mischung.

Flowerpornoes – Wie oft musst du vor die Wand laufen bis der Himmel sich auftut? (V2 Records)
Nach 10 Jahren taten sich die Flowerpornoes in diesem Jahr zum Glück wieder zusammen. Und irgendwie kam überraschenderweise auch noch ein sehr gutes Album dabei heraus, das so natürlich auch schon 1995 hätte erscheinen können, doch was wollte ich mehr? Einzig die Neubearbeitung von “Indien”, das jetzt “Österreich” heißt, wäre nicht notwendig gewesen, aber das macht nichts. Vielleicht meine liebste Band aus Deutschland.

Gui Boratto – Chromophobia (Kompakt)
Bereits das zweite Album auf Kompakt, das sich dieses Jahr in meiner Bestenliste wiederfindet. Auf “Chromophobia” geht es wesentlich clubtauglicher zu als bei The Field, allerdings sind die Tracks so abwechslungreich, dass das ganze natürlich auch zu Hause seine Wirkung entfalten kann. Eine sehr positive Grundstimmung durchzieht dieses Album und dieses Gefühl gipfelt in dem Track “Beautiful Life”, für mich das absolute Highlight der Platte. Ein Stück sommerlicher Shoegazetechno der auf weitere Großtaten hoffen lässt.

Voxtrot – Dito (Playlouderecordings)
Nachdem jeder das Album schon im letzten Jahr hatte, ging die Platte zur offiziellen Veröffentlichung im Mai irgendwie leider völlig zu Unrecht unter. Voxtrot spielen schnörkellosen Pop der seine Einflüsse nicht kaschiert und wissen durchaus den ein oder anderen Hit dabei abzufeuern. Leider ist es seitdem auch etwas ruhig um die Texaner geworden, hoffen wir einfach, dass sie wieder an neuem Material arbeiten.

Efdemin – Dito (Dial)
Der Begriff House scheint besetzt mit Klischees, man denkt an Großraumdisco und billige Vocodereffekte. Jeder mit etwas Plan weiß, dass es anders geht, wer das Hamburger Label Dial kennt sowieso. Alle anderen sollten Efdemins Albumdebüt eine Chance geben und sich darauf einlassen, es lohnt sich auf jeden Fall. Außerdem sehr zu empfehlen: Die 2007er Split 12" mit Labelkollege Carsten Jost, ganz deepe Geschichte mit Priestergequatsche und peitschenden Synthies.

Tigercity – Pretend not to love EP (Self-Released)
Holla, wo kam das denn her? Hier wurde mal eben alles zwischen Disco, Soul und Pop in einen großen Kessel geworfen und kräftig durchgerührt. Prefab Sprout und Hall & Oates lassen grüßen und schwingen das Tanzbein. Ein Bass der vor Funk nur so sprüht und ein Sänger der auch bei den Bee Gees keine schlechte Figur gemacht hätte. Die sollen mal schnell gesignt werden und Albumlänge abliefern.

Top of the Songs

Aesop RockNone shall pass /// Animal CollectiveFireworks /// Antony & The JohnsonsKnockin’ on heaven’s door /// Arcade FireKeep the car running /// Band of HorsesIs there a ghost /// BattlesAtlas /// Bob DylanMost likely you will go your way (and I’ll go mine) (Mark Ronson Remix) /// Bright EyesFour winds /// ChromeoFancy footwork /// Cut CopyHearts on fire /// Dan le Sac vs. Scroobius PipThou Shalt always Kil /// DJ MehdiSignatune (T. Bangalter Edit) /// Fionn ReganBe good or be gone /// Hot ChipMy Piano /// Just JackStarz in their eyes /// KlaxonsGolden skans /// Lady SovereignThose were the days /// Los CampesinosYou! Me! Dancing! /// MenomenaWet & rusting /// Modest MouseFlorida /// Nelly FurtadoSay it right /// Rilo KileySilver lining /// SpoonYou got yr. cherry bomb /// StarsMy favourite book /// The Black SeedsCool me down /// The NationalMistaken for strangers /// TocotronicKapitulation /// Walker KongAndy Warhol & The Honey Bees

Und natürlich die vielen tollen Tanzbarkeiten von unter anderem Henrik Schwarz, The Rice Twins, Partial Arts, Todd Osborn, Lerosa, Trus’me, Slowhouse, Cobblestone Jazz und vielen mehr. Was vergessen? Rein in die Comments damit!