Gute Songwriter und Folkbands gibt es wie Sand am Meer. Ich bin ganz gewiss zu faul um jetzt nachzuzählen, aber vielleicht sind es sogar noch mehr. Und das änderte sich bisher zum Glück auch 2008 nicht, deshalb heute ein Popnews Special, es geht um Landmusik aus Städten und einsamen Hütten, Jungs die sehr viel Beach Boys hörten und die Tatsache, dass große Songs manchmal eben doch nicht mehr brauchen als die Gitarre und eine verdammt gute Stimme.
Bon Iver – For Emma, Forever Ago
Den Anfang macht einer der in den Wald zog und mit einem wunderschönen Album zurückkam. Bon Iver, der eigentlich Justin Vernon heißt und aus Wisconsin stammt, legt hiermit sein Debütalbum vor. Entstanden in drei einsamen Monaten in einer Hütte im Wald und im Studio dann nur noch durch diverse Bläser und zwei, drei weitere Instrumente leicht angereichert. Streng genommen erschien “For Emma, forever ago” schon 2007 im Eigenvertrieb, ein Label fand er allerdings erst 2008 und zwar in Form von Jagjaguwar. Zum Glück, denn so können nicht nur musikvernarrte Jäger und Sammler seiner Musik lauschen, denn dieses Album hat es einfach verdient gehört zu werden. Reduziert auf das Wesentlichste, werden die Songs vor allem von Vernons Stimme getragen, welche zwar unglaublich prägnant, aber nicht aufdringlich oder gar nervig ist. Mit insgesamt nur neun Songs fällt das Ganze zwar eher kurz aus, aber dafür gibt es nicht einen Grund auch nur eine Note dieses Werks zu überspringen. Re:stacks ganz am Ende sollte sowieso jeden versöhnen und rechtfertigt alleine den Kauf. Ein beeindruckendes Album.
Fleet Foxes – Sun Giant EP & Album
Die Leute von Sub Pop feiern in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum und haben mit den Fleet Foxes ein ganz besonderes Geschenk an ihre Hörer, nämlich eine weitere fantastische Band aus Seattle. Diese Musik ist alles andere als modern, Bernd Begemann bezeichnete die Fleet Foxes im letzten Intro-Heft völlig zu Recht als die Anti-Ting-Tings. Wer mit Folk und den Beach Boys genauso viel anfangen kann, wie mit jeder Menge Harmonien und Hall, der sollte sich für diese Band ein Ohr offenhalten. Beim Kauf des Albums gibt es die Sun Giant EP gleich gratis dazu, also zuschlagen. (Will jemand meinen Downloadcode haben?)
The Tallest Man On Earth – Shallow Graves
Kristian Matsson klingt wie der frühe Dylan. Dieser Vergleich macht es dem Autor zwar mehr als einfach, ist allerdings mindestens genauso treffend. Marssons Stimme wird genauso spalten, viele werden sich dadurch genervt fühlen, andere werden nichts anderes mehr hören wollen. Und auch hier wieder: Musik, welche auf das Nötigste reduziert ist – eben Folk in seiner ursprünglichsten Form. Ohne Band und ohne Effekthascherei. Schön, dass solche Alben noch immer erscheinen und hoffentlich die richtigen Leute erreicht. Schade, dass “Shallow Graves” aller Wahrscheinlichkeit nach allerdings zwischen den hunderten anderen Veröffentlichungen untergehen wird.
The Dodos – Visiter
Irgendwie bin ich noch nicht ganz hinter das Album gestiegen, es gibt tolle Moment, aber auch jede Menge nervtötende. Vielleicht braucht “Visiter” einfach noch Zeit oder gleich einen grauen Herbst. Fest steht aber, dass der Song “Fools” zu den besten des Jahres gehört. Ich glaube fast, dass sich Animal Collective einen Ast abgefreut hätten, wenn sie so etwas hinbekommen hätten. Denen mangelt es selbst zwar kaum an guten Ideen, die Art und Weise allerdings wie mich das hier an eben die da erinnert, schon erstaunlich. Ein dumpfer Schlagzeugbeat und wildes Geklapper mit den Sticks bilden das Fundament für ein Spiel zwischen laut und leise, einen vierminütigen Ausschrei ähnlich der Stimmung bei “Fireworks”. Dieser Song ist einfach zu gut um dem Album nicht doch noch eine Chance zu geben.