Mein Mitbewohner, der gerade noch so eine Karte bekommen hat, war wahrscheinlich nicht der Einzige, der sich darüber wunderte, dass The National mittlerweile einen solchen Status in Deutchland geniessen. An einem Wochenende zwei restlos ausverkaufte Konzerte in Berlin, nicht etwa in den kleinsten Eckkneipen der Stadt, sondern in großen Clubs. Auf einmal überall The National, nicht mehr nur bei Pitchfork werden sie gefeiert, auch unclesallys und viele weitere Magazine erklärten das aktuelle Werk “High Violet” zum Album des Monats. Ich habe es noch nicht gehört, basierend auf den alten Großtaten von Matt Berninger und Co ist diese Entscheidung allerdings sicherlich berechtigt. Aber so toll die Alben der Band auch sind, das Konzert gestern war keine Offenbarung, es war vielmehr eine tief im Mittelmaß versackte Enttäuschung.
Das Huxleys ist ein für meinen Geschmack etwas zu großer Club, der diese Bezeichnung auf Grund seiner ganzen Sterilität auch gar nicht verdient hat. Überteuerte Garderobe, nervige Klofrau (!) und VIP-Lounge (?) mit eigener Security. Rock ’n’ Roll. Ersteindruck also schonmal eher scheiße, und mit der Vorband sollte es nicht besser werden. Buke and Gass, waren mir mindestens zwei Nummern zu bemüht anders. Die Songs wurden ausschließlich über die schleppende Bassdrum zusammengehalten, und auch sonst passierte nicht viel außer ständige Tempiwechsel und ein bisschen aufgesetzte Hysterie. Außerdem hat die Sängerin ihre Stimme bei Karen O geklaut, ha, erwischt!
Aber egal, mit dem Huxleys war ich in der Zwischenzeit schon fast per Du und Vorbands braucht sowieso kein Mensch, denn jetzt sollten ja The National kommen. Taten sie auch. Bläsersatz, yeah, Geige, yeah, Einstieg mit “Mistaken for Strangers” … yeah! Es folgte ein bunter Mix aus alten und neuen Liedern, aus Hits und ruhigeren Stücken. Lied fertig, Applaus, nächstes Lied, weiter, zack zack. Die Band machte ihre Sache gut, allerdings wirkte sie dabei leider ganz einfach wie eine sehr laute Jukebox. Die Songs wurden eins zu eins in den bekannten Alben-Versionen heruntergespielt, Variation suchte man vergebens. Den Rest schien es nicht zu stören, frenetisch wurde jede noch so kleine Geste Richtung Publikum von selbigem unhinterfragt gefeiert.
Als Krönung des Fremdschämens begab sich Matt Berninger auch noch auf Shakin’ Hands mit dem Publikum der vorderen Reihen – und wie sie klammerten, bah, nicht anzusehen. The National sind jedenfalls in einer Liga angekommen, in der scheinbar ganz automatisch ziemliche Idioten zu Konzertbesuchern werden und die Personen auf der Bühne viel mehr zählen als die Musik selbst. Da macht es dann auch nichts, wenn der Sound nicht wirklich gut ist und überhaupt ein bisschen die Leidenschaft fehlt. Nicht nur im Publikum, auch wenn sich Matt Berninger immer wieder mehr als bemühte und auch den Rest der Band in Form von Schreien und wilden Gesten zu pushen versuchte. Am Ende blieb trotz alledem ein fader Beigeschmack und es werden wohl ein paar Wochen vergehen, bis ich mich an das neue Album der Band herantraue. Einige Monate werden vergehen, bis ich für ein Konzert wieder mehr als zwanzig Euro ausgebe. Schade, aber vielleicht waren die eigenen Erwartungen auch einfach zu hoch.
Anschließend ging es übrigens noch in die Bar25, die es an diesem Abend schaffte, mir doch noch ein fettes Grinsen ins Gesicht zu zaubern. War das schön dort.