Ich werde nun etwas sehr langweiliges und überhaupt total unkreatives machen und so etwas ähnliches wie die besten Alben des (bald) vergangenen Jahrzehnts küren. Mal schauen, ob ich mich am Ende daran halten kann, aber der Plan ist es in den nächsten Wochen jeden Tag genau ein Album zu nennen und meine Wahl kurz zu begründen. Mal gucken wie viele es am Ende werden. Aber los geht es erstmal mit …
Destroyer – Rubies – Merge Records (2006)Keine Ahnung wie oft ich damals “European Oils” gehört habe, schätzweise so ca. im vierstelligen Bereich. Aber als ich mich für diesen Artikel hier auf die Recherche begab und endlich mal wieder “Rubies” in den CD-Player legte, durfte ich feststellen: Das Album und dieser Song im speziellen haben rein gar nichts an Magie verloren und so rotiert dieses 2006er Werk von Destroyer schon wieder seit Tagen bei mir. Keine Ahnung, ob man das jetzt schon zeitlos nennen darf, aber für mich fühlt es sich so an. Das tolle an Destroyer ist, dass ich ihn irgendwie gerne in die klassische Songwriter Ecke stellen würde, da aber noch immer genug Wahnsinn und Platz für neue Ideen ist um eben nicht einfach nur “schön” zu sein. Eigentlich ist Rubies eine Ansammlung von Stellen geschaffen für die Repeat Taste. Das Album komplett durchhören geht eigentlich nicht, zu oft ertappe ich mich, wie ich diese oder jene Stelle nochmal hören möchte, weil sie so clever und toll ist, dass man selbst beim fünften mal noch baff ist und über diese Musik staunt. She needs to feel at peace with her father, the fucking maniac. Und obwohl ich glaube “Rubies” damals hier und da in ein paar Jahresendlisten entdeckt zu haben, behaupte ich, dass das hier ein bisschen untergegangen ist. Großes Album, und obwohl Destroyer auch sonst noch einige fantastische Alben aufgenommen hat, so gut wurde es bisher nicht nochmal. Aber mal abwarten, da kommt sicherlich noch was.
D’Angelo – Voodoo – Virgin (2000)Nach seinem Erstling “Brown Sugar” legte D’Angelo 2000 endlich nach und bis heute wartet man vergeblich auf einen richtigen Nachfolger – nein, YODA I und II zählen nicht. Oder kam die Einsicht das nicht mehr toppen zu können, das würde schon beinah Größe zeigen. Egal, dieses Album ist ein Klassiker, ohne jeden Zweifel. 13 absolut unaufgeregte Songs bis an den Deckelrand mit Seele gefüllt. Natürlich ist der Typ ein Poser, wie er auf seinem Albumcover und im Video zu “Untitled (How does it feel)” einfach komplett nackt dasteht. Aber erstens kann er es sich leisten und zweitens ist die Musik jedem Posertum erhaben. Unterstützung kommt u.a. von DJ Premier, wer straighten Boom Bap Sound erwartet wird allerdings enttäuscht. Dafür gibt es Soul und noch mehr Soul. Marvin Gaye wäre glühender Fan und Prince ist es sowieso schon. Zeitlose Angelegenheit.
Fat Freddy’s Drop – Based on a true story – The Drop (2005)“Based on a true story” war damals das Album des Monats in der Spex und ich konnte es erstmal komplett gar nicht verstehen. Can u feel it? Nee, kein bisschen. Aber je öfter ich es hörte, desto mehr lüftete sich der Schleier und Hörgewohnheiten verschoben sich. Ganz ähnlich erging es mir übrigens anfangs auch mit Burial, dazu aber erst in den nächsten Tagen. Jetzt erstmal Fat Freddys Drop, sieben Leute aus Neuseeland die schon zuvor ein Live-Album und eine LP namens “Hope” aufgenommen haben, aber erst hiermit so richtig den Vogel abschossen. Einen Vogel mit schimmernden Gefieder in den buntesten Farben von Dub bis Jazz über Reggae und vor allem jeder Menge Soul. Ein sehr geiler Vogel also. Zwischendrin machen sie immer mal kurz Klamauk und doch tragen alle Songs und nicht zuletzt Dallas Tamairas aka Joe Dukies gradiose Stimme zur relaxten Gesamtstimmung des Albums bei. Musik auf deren Schönheit man erstmal klarkommen muss.
Broken Social Scene – You forgot it in people – Arts & Crafts (2002)Mein heimliches Lieblingsalbum ist ja eigentlich ihr erstes, nämlich “Feel good lost”. Eine Platte voller wunderschöner Songs und kleiner Skizzen, nie auf den Punkt und immer ein bisschen neben der Spur, kaum zu fassen und somit bei jedem Hören irgendwie wieder neu. Wer hier Hits sucht, der wird enttäuscht sein, alle anderen kriegen ein Album, das zunächst ein wenig monoton und gleichförmig wirken mag, aber mit jedem Hören mehr und mehr von sich preisgibt. Und es ist sogar von 2001 und hätte somit eigentlich seinen Platz in dieser Liste hier finden können, ja, müssen. Aber ich habe mich am Ende doch für “You forgot it in people” entschieden. Einfach weil es diese fantastische Band so bekannt machte (während das Erstlingswerk an scheinbar allen ohne nennenswerte Zeichen vorbeirauschte, zunächst auch an mir), weil es eben auch diese wunderbar ruhigen und luftigen Songs beinhaltet und doch noch viel mehr musikalische Seiten des kanadischen Kollektivs offenbart. So viele, dass dieses Album eher wie ein Mixtape klingt. Zusammengestellt vom nerdigen Typen mit dieser riesigen Musiksammlung. Keine Ahnung, wie sie das gemacht haben, am Ende steht aber ein durch und durch perfektes Pop-Album. Gerade läuft “Looks just like the sun” und ich muss einfach eingestehen … unbeschreiblich gut. Deshalb statt vieler Worte: Hören, und spätestens bei Lied 7 weiche Knie bekommen.
International Pony – We love music – Columbia (2002)Wären da nicht noch 15 weitere fantastische Songs, so würde dieses Album schon allein wegen “Leaving home” einen Platz in meiner Liste verdient haben. Hier gründeten einfach mal 3 absolute Größen die Supergroup, die man sich bisher im Traum nicht vorzustellen wagte – viel schiefgehen konnte eigentlich nicht mehr und so wurde “We love music” eben auch das zur Supergroup passende Superalbum. Tracks zwischen heimischer Gemütlichkeit und verschwitztem Club, getränkt in einem großen Kessel voller House, Techno, Funk und Soul. Hier werden Ideen verbraten, die sich andere über 5 Alben einteilen oder im Laufe ihres Lebens nichtmal haben. In einer “Platten vor Gericht” – Ausgabe in der Intro fragte mal jemand, ob die das (was eigentlich?) ernst meinen würden. Natürlich, so ernst, wie man den Spagat zwischen sämtlichen Genres sowie zwischen Gefühl und Wahnwitz eben betreiben kann. Hätten die auf Album Nummer 2 die Beatles gecovert oder einen Heavy Metal Song auf der 909 nachgespielt, es hätte mich kein bisschen gewundert. Eine Liebe zur Musik, eine Liebe zu den Tönen, sangen Tomte einmal, nur bei International Pony klingt es halt einfach besser.
Moodymann – Forevernevermore – Peacefrog (2000)So, das wird jetzt erstmal die letzte Platte zu der ich etwas schreibe, danach wird nur noch aufgelistet. Hat sich dann doch etwas verlaufen das Projekt und ich finde keine Motivation mehr mich daran abzuarbeiten. Es ist ja nicht so, dass ich Musikgeschreibe nicht leiden kann, lese selbst jeden Tag soviel davon und in unregelmäßigen Abständen schreibe ich auch mal etwas zu jedem Album oder diesem Song. Aber in so einem Fall wie dem von Moodymann alias Kenny Dixon Jr. möchte ich einfach nicht viele Worte verlieren, die Magie dieser Tracks kann zumindest ich eh nicht in Worte packen. Einer meiner ganz großen Helden und es gibt noch immer so viel zu entdecken. Während derzeit scheinbar jede Woche ein neues schlecht gepresstes Bootleg von alten Moodymann Stücken erscheint, sollte man sich lieber die Zeit nehmen und nach den Originalen suchen und so diese Musik Schritt für Schritt für sich entdecken, lohnt sich auf jeden Fall. Wer bei “The Day We Lost The Soul/Tribute” nichts fühlt ist übrigens klinisch tot.
Kurz und knapp…
Und hier nun also die restlichen für mich wichtigen Alben aus dem vergangenen Jahrzehnt. Ohne Reihenfolge, Wertung und so weiter. Eigentlich hätten auch diese Alben einen längeren Text verdient, aber es scheitert an der eigenen Faulheit.
// Godspeed You Black Emperor! – Lift Your Skinny Fists like Antennas to Heaven
Unglaubliches Album, eine eigene Welt und wem bei Sigur Ros zuviel Elfen und Feen in den Songs rumgeistern, der sollte hiermit glücklich werden. Kopfhörer drauf, laut drehen und mit “Storm” die Reise durch dieses Album starten. Noch immer so groß.
// J Dilla – Donuts
Discogs-User pshel: “Oh my God – This is a friggin Masterpiece! What a tragedy for Dilla not to be able to see how his fans are going to dig this work. This contribution to hip hop beat making is on par to what DJ Shadow did with his ground breaking Endtroducing. As the genius was the simplicity with Shadow, such genius is in the complexity with Jay Dee – A sonic mural which unfolds with calculated precision. Those 2 releases can’t be farther apart in musical similarity, but it’s how society will accept Dilla’s piece which draws the comparison. In passing, he’s unwittingly ushered in a new era for beat conductors. The bar is very high.” Word.
// The Strokes – Is this it
Wow, dieses Album habe ich seit gefühlten dreißig Jahren nicht mehr gehört. Lediglich im vorletzten Sommer auf einer Autofahrt durch Schweden und da fand ich es dann auch wieder ähnlich großartig wie 2001 als “Is this it” erschien. Danach kam wie so häufig eher durchschittliches Material und/oder ich verlor das Interesse. Aber das Debüt der Strokes ist und bleibt ein ganz großer Wurf, der scheinbar in drei Studionächten mal eben dahin gerotzt wurde und einen endlos langen Rattenschwanz an “The”-Bands nach sich zog. Hype hin oder her, immer noch ein tolles Album – und ich werde ich es endlich mal wieder komplett anhören.
// The Go-Betweens – The friends of Rachel Worth
Eines der wenigen Alben, die ich von vorne bis hinten durchhören kann, ohne auch nur an einer einzigen Note etwas schlechtes oder auch nur mittelmäßiges entdecken zu können. Leider blieben die Go-Betweens auf Ewigkeiten Geheimtip und auch der frühe Tod von Sänger Grant McLennan im Jahr 2006 änderte daran nicht wirklich etwas. Und so bleiben ihre Alben weiterhin Liebhabermusik und stillstehend im Schatten zwischen anderen Werken der 80er und 2000er. Schade für die Band, sehr erfreulich für jeden der sie dann doch noch für sich entdeckt.
// The Streets – Original Pirate Material
Discogs-User pipecock: “Alot of people are skeptical of Mike Skinner because of his delivery. In all actuality, the guy has more style and substance than any 10 MCs you can think of in mainsteam or underground hiphop today. On this album, he’s brilliantly witty, his beats are diverse and interesting, and his subject matter is far from the norm in hiphop. Absolutely a classic release!” Word.
// …
oh, hier tut sich ja mal wieder was!
jaha, gut erkannt! und ich habe noch mindestens 24 alben in petto, die zukunft dieses artikels & blogs ist also erstmal gesichert. puh.
”… morgen geht’s wie immer weiter.”
Die Betonung liegt hier wohl deutlich auf ‘wie immer’.
Hey, Fat Freddy’s Drop haben dich doch bezahlt oder so ;)
hmm, sehe grad das video von D’Angelo – Untitled auf MTV. und ich muss a) sagen, dass es nich so meine musik ist und b) dass ich das video schon ganz schön selbstverliebt und leicht homosexuell angehaucht finde ;)