The Pipettes

Ich habe keine Ahnung, wieso ich die erst nicht mögen wollte. Manchmal habe ich eben so bekloppte Anfälle, da stört mich ein Image, ein Name, eine Schublade und dann höre ich gar nicht erst rein. Vor drei Tagen allerdings hörte ich bei Radio Eins ein Stück von The Pipettes und ich glaube ich lag mal wieder ganz schön falsch. Das Album (“We are The Pipettes”) der drei Engländerinnen haut mich jedenfalls ganz schön von den Socken.

The Pipettes

Der Produzent von The Go! Team hatte seine Finger mit im Spiel, der Sound geriet allerdings weit weniger rumpelhaft, eher pompös würde ich sagen. Die drei hier mischen Sixties-Pop mit einer gehörigen Portion Bombast. In Sachen perfektes Pop-Album hat 2006 bis jetzt zwei heiße Kandidaten: I’m from Barcelona und eben The Pipettes. Allerdings sehen die hier auch noch gut aus … verdammt, jetzt habe ich es doch noch mit reingebracht.

(Dieser Beitrag entstand in der Euphorie der ersten Höreindrücke, vielleicht finde ich das in zwei Wochen schon wieder scheiße – Oder eben noch besser. Aber jetzt klingt es erstmal weit mehr als sehr gut. Bald wieder handfeste Beiträge, versprochen.)

Blauer Pfeil
Kategorie: Popnews / 06.11.06 / 4 Kommentare
Icke & Er sind rischtig jeil

Das ist sicherlich schon wieder alter Hut, aber besser spät als nie gefunden. Icke & Er machen allerfeinsten Anti-Rap (Oder wie soll man das sonst bezeichnen, wenn jeder Reim aus “geil” und “ab” besteht?) zwischen lustig und irgendwie tatsächlich gut.

Icke & Er

Immerhin landeten die beiden Jungs mit den aufgesetzten Rotzbremsen auf Four Music, dem Label der Fantastischen Vier und Heimat von sonst so ernsten Künstlern wie Clueso oder Joy Denalane. Single kam diesen Freitag raus, ich gucke jetzt schon zum zwölften mal das YouTube Video und damit die Punchlines wirklich sitzen hier der ganze Text:

Geh’ ick mit meinen Kumpels in’n Club. Richtig geil.
Ha’ick keene Kumpels, keinen Club. Auch richtig geil.
Bin ich morgens jut drauf is dit richtig geil.
Ha’ick urst scheiss Laune is dit richtig geil.
Jibt et Rippe mit Jemüse sa’ick richtig geil
Jibt et korrekte Bratwurst. Find ick richtig geil.

Korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, dit jeht ab hier
Korrekt, korrekt, jefällt ma, geht ab, wa?
Es jefällt ma so, es jefällt ma so, wa?

Ick und meine Homies is dit richtig geil
Ick und keene Homies is dit richtig geil
Ha’ick Stress zu hause. Is dit richtig geil.
Ist zu hause allet ne Wolke. Richtig geil.
Ist Weihnachten und Ostern is dit richtig geil.
Is irgendwat im November is dit richtig geil.
Bin ick mal im Urlaub ist dit richtig geil.
Bin ick in Berlin, Alter, richtig geil.

Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Was geht ab, was geht ab, was?

Party hier, Party da. Richtig geil.
Nüscht los. Nüscht los. Richtig geil.
Ha’ick wat zu tun ist dit richtig geil.
Ha’ick nie wat zu tun, hey richtig geil
Ick und ne jeile Villa is dit richtig geil.
Ick in der ursten Butze is dit richtig geil.
Ha’ick ne große Karre is dit richtig geil.
Ha’ick nich mal nen Führerschein, Alter, richtig geil.

Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Was geht ab? Es gefällt ma so.
Ick sach korrekt, Jungs, es geht ab.
Es ist richtig geil.
Ick sach korrekt Jungs, korrekt Jungs dit jefällt ma so.
Ick sach es geht ab, es geht ab, es ist richtig geil
Ick sach, es geht ab, es geht ab, es ist richtig geil
Was geht ab?

Ha’ick nen ursten Job is dit richtig geil.
Bin ich mal wieder auf Stütze, auch richtig geil.
Muss ich morgen in den Krieg, is dit richtig geil
Kann ich noch ein bischen Playstation spielen richtig geil
Ha’ick ordentlich was zu tun richtig geil
Ha’ick nie was zu tun ick sach’s euch richtig geil
Meine Mutti mies drauf sa’ick mir richtig geil
Is meine Mutti jut drauf find ich dit auch richtig geil

Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab
Ick sach korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab Jungs
Korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab.
Ick sage mal so. Ähm.
Korrekt, korrekt, ähm, Jefällt ma, dit ähm jeht ab
Korrekt, wa, korrekt, wieder mal, dit jeht ab
Ick sage mal so korrekt
dit jefällt ma so, dit jefällt ma so.

Wenn dat jetz’ alle lustisch finden, is’ dat rischtig geil. Finde nur icke dat mal wieder jut, ick sach euch, richtich jeil.

Blauer Pfeil
Kategorie: Fundstücke / 22.10.06 / 2 Kommentare
Popnews: Neu und empfehlenswert

Die Long Winters sind wieder da und legen ihr zweites Album vor. Ähnlich wie die Songs auf ihrem ersten Album, braucht auch das neue Werk “Putting the days to bed” ein wenig länger um zu zünden. Doch nicht umsonst zählt die Band Leute wie den R.E.M.-Gitarristen Peter Buck zu seinen treuen Fans und Bewunderern. Lässiger Poprock in Bestform und in diesem Herbst dann auch auf Tour bei uns. (Album: Putting the days to bed / VÖ: 8. September 2006)

Kevin Hamann’s Musik erkennt man vor allem an drei Dingen: Der Kontrast zwischen Ruhe und Hektik der in ihr liegt, diese verwirrenden Songtitel und die Begeisterung die sie bei einem auslösen kann. Unter dem Namen Clickclickdecker veröffentlicht er Songs zwischen Gitarrenpop und Elektrogedaddel, mit Texten genauso kryptisch wie den Punkt genau treffend und Melodien zwischen sehr gut und noch besser. (Album: Nichts für Ungut / VÖ: 25. September 2006)

Die Thermals kommen aus Portland, stammen eigentlich alle aus anderen Bands und schrammelten erstmals 2002 einfach nur so zum Spaß ein bisschen im Proberaum zusammen herum. Ben Gibbard, u.a. Sänger von Death Cab for Cutie, war begeistert und brachte das Trio zum Kultlabel Subpop. Seit langem mal wieder ruppiger Rocksound, der mich wirklich begeistert, hier reichen sich Indiepop und Punkrock die Hand und aus den Verzerrern wird rausgeholt, was rauszuholen ist. Mal bitte Platz machen, hier kommen die Thermals! (Album: The Body, The Blood, The Machine / VÖ: 1. September 2006)

Giardini di Mirò scheinen vielseitig talentiert zu sein. Corrado Nuccini, der Gitarrist der italienischen Post-Rock Band, bringt mit seinem ersten Album “Matters Of Love And Death” ein Werk heraus, das es sich zwischen HipHop, Electronica und Gitarrensound bequem macht – Und außerdem ganz weit oben in den Jahrescharts zu finden sein wird. Ein fantastisches Album das auf Konventionen scheißt und die Lücken zwischen den Genres schließt. (Album: Matters Of Love And Death / VÖ: 4. September 2006)

Blauer Pfeil
Kategorie: Popnews / 14.10.06 / Kommentar hinzufügen
Undo Silence

“Die Botschaft ist unmissverständlich: Lehn dich zurück, schließ die Augen, lass die Gedanken schweifen und genieß ganz einfach das, was du gerade hörst. Dann wirst du erleben, wie wunderbar es ist, wenn Träume sich lösen. Du fühlst dich beschwingt, hebst ab und gleitest dahin auf einer Melodie, die endlos sein könnte.” – Lausitzer Rundschau, 8. September 2006

Es ist heutzutage relativ schwer etwas Neues, Anderes und Frisches zu machen. Alles war schon mal irgendwie da und sobald man eine Gitarre zur Hand nimmt, läuft man Gefahr als Kopie von irgendwem und irgendwas abgestemptelt zu werden. Stephan Homa und Alexander Günther sind Undo Silence und machen es richtig. Die alte Plattitüde “Weniger ist mehr” macht bei den beiden tatsächlich Sinn und mit ihrem reduzierten Sound heben sie sich vom Rest der lokalen Musikszene ganz schön ab. Natürlich im positiven Sinne.

Blauer Pfeil
Kategorie: Plattenkritiken / 10.10.06 / 2 Kommentare
Barcelona loves you

“Verdammt, schon wieder zu spät dran!” – Dieser Gedanke und die Musik von I’m from Barcelona begleiten mich seit einigen Wochen. Denn das Zivildienst-Leben bringt nicht nur die ersten Gehaltschecks mit sich, der frühmorgendliche und quälende Gang aus dem Bett gehört leider genauso dazu. Doch was tun, wenn man es jedesmal wieder packt nicht rechtzeitig aus dem Haus zu kommen? Genau davon singt uns Emanuel Lundgren, überzeugter Rotzbremsenträger und Band-Oberhaupt, ein Liedchen. Er rät dazu alles stehen und liegen zu lassen und verdammt nochmal einfach loszurennen. Durchaus eine Methode die Erfolg verspricht, wenn man noch pünktlich Arbeit oder sonstige wichtige Termine erreichen will. Aber was auch immer passiert, eines sollte man unter keinen Umständen vergessen: “Let me introduce my friends” von I’m from Barcelona in die Ohrstöpsel, laut drehen und dann erst los!

Lundgren versammelte sehr viele Freunde (Ganze 28 Leute, auch wenn man das auf Platte nicht unbedingt immer hört) um sich herum für die Aufnahmen zu diesem Album und zunächst war eine Bandgründung gar nicht geplant. Eher durch Zufall entstand “Let me introduce my friends” – Zum Glück! Denn was die Geschichte der Band schon an Besonderheiten zu bieten hat, setzt die Musik nochmal obendrauf. I’m from Barcelona planen die Verlängerung des Sommers und zwar auf 365 Tage pro Jahr. Insgesamt 11 Pop-Hymnen werfen sie uns vor und ich kann nicht eine Schwachstelle finden, wie auch. Chöre, Handclaps, Banjos und vieles mehr verschmelzen zu einem Sound der ohne große Umwege das Herz erreicht, sollen doch andere den komplizierten Scheiß hören. Die Musik der 29 Schweden ist simpel und unkompliziert und gerade deshalb so erfrischend neu und herrlich mitreißend. Ein breites Dauergrinsen und das dringende Bedürfniss die eigene Wohnung zu betanzen sind vorprogrammiert.

Wer den Sommer noch eine Runde verlängern möchte und dringend eine neue Lieblingsband braucht, dem seien I’m from Barcelona wirklich ans Herz gelegt. Sogar (und auch irgendwie passenderweise) der FC Barcelona erkor “We’re from Barcelona” zur Hymne ihres Vereins und immerhin reichte es für das Team zum Gewinn der Champions League – Irgendwas muss also dran sein. Und wer die Chance hat diese einmalige Band live zu sehen, der sollte das unbedingt wahrnehmen. Bei 29 Leuten auf der Bühne fällt einer oder weniger auch nicht mehr auf und ehe man sich versieht ist man am Ende selbst ein Teil von I’m from Barcelona. Bis dahin machen es aber vielleicht auch die vielen Konzert-Aufnahmen die im Netz kursieren.

Blauer Pfeil
Kategorie: Plattenkritiken / 16.09.06 / Kommentar hinzufügen
Being Jackson Pollock

Die Bilder von Jackson Pollock lösen bei vielen Betrachtern meistens folgende Reaktion aus: Ein Schritt zurück, Stirnrunzeln und dann dieser Satz: “Was soll denn der Scheiß, das kann ich doch auch, mh.” Und diese Leute haben völlig Recht … Ab dafür!

Pollock
Blauer Pfeil
Kategorie: Fundstücke / 21.08.06 / Kommentar hinzufügen
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