Luxusdiskussion

Mal wieder das mittlerweile alte und für so manchen sicherlich auch leidige Thema: Musik in der Krise. Genauer gesagt in der Absatzkrise, keineswegs in einer kreativen. Denn während das Angebot wahrscheinlich vielfältiger und spezieller denn je ist, so sinkt die Nachfrage nach selbigem rapide. Wobei auch das wiederum nicht ganz stimmt, Musik umgibt mehr denn je unser Leben, nur bezahlen wollen dafür heutzutage nur noch die allerwenigsten. Während die Konzertpreise rasant ansteigen, scheinen die Medien CD und Vinyl immer unattraktiver zu werden. Sie haben ausgesorgt und mit ihnen ging die Bereitschaft zur Zahlung des Gutes Musik endgültig flöten. Kurz zusammengefasst: Die Musikindustrie ist am Arsch, und das teilweise auch sicherlich zu Recht. Wie gesagt, es ist ein leidiges und auch durchaus ermüdendes Thema. Ähnliche Allgemeinplätze wie meine soeben verfassten, vernahm man in den letzten Jahren reichlich, nur eines stand selten im Fazit: Ein wirkliches Zeichen auf Besserung.

Weitaus interessanter und tiefgründiger als ich, hat sich Mario Willms alias Douglas Greed dem Thema im neuen Freude am Tanzen Podcast angenommen: Der in Jena lebende Künstler bietet mit seinem Hörspiel Luxusdiskussion (nach dem Link gibt es neben ausführlicheren Infos den Podcast zum Anhören im mp4 Format) einen musikalischen Situationsbericht aus der Perspektive von Musikschaffenden, Labelbetreibern und Journalisten. Ohne zu langweilen oder den erhobenen Zeigefinger auszufahren, lässt Willms die Protagonisten seines Hörspiels ihre Sicht auf den langsamen Untergang des Technodampfers darstellen – ob es allerdings tatsächlich einer ist, das bleibt noch zu klären. Eingebettet werden die Interviews in eine eigens für das Hörspiel geschaffene Musik sowie einer fiktiven Ebene. Endlich mal ein etwas anderer Podcast, hier wird nicht einfach promotechnisch abgeliefert, sondern mal wieder zum Nachdenken angeregt. Wobei ich einfach mal behaupte, dass die meisten Menschen, die sich das jetzt anhören, sowieso schon wissen, dass Musik einen Wert hat, den es zu entlohnen gilt. Der Rest zieht weiterhin munter bei Rapidshare – ohne anschließenden Gang in den Plattenladen. Aber was sollen sie auch machen, denn vielerorts gibt es den ja sowieso schon lange nicht mehr.

Blauer Pfeil
Kategorie: Fundstücke / 02.03.10 / 4 Kommentare
Resident Advisor Podcast Thompson

Es wäre einfach müßig, jede Woche auf neuen den Resident Advisor Podcast hinzuweisen, schließlich ist die Seite mittlerweile mehr als nur bekannt und jeden Montag stellt sich schon beim Hochfahren des Rechners erneut die Frage: Na, wem wurde wohl diesmal die Ehre zuteil? Diese Woche ist der Spanier Javier López García alias Thompson an der Reihe und der dabei entstandene Resident Advisor Podcast (immerhin bereits Nummer 195) ist so gut geworden, dass er mir dann doch einen kurzen Artikel dazu wert ist.

Thompson

Diesmal also kein Bigname, nichtmal von ihm gehört habe ich bisher. Der längere Infotext zum Podcast und das Interview mit Thompson auf der Seite von Resident Advisor geben eine Erklärung: Momentan findet in London die Red Bull Music Academy (bei etwas Zeit mal durch die Lecture Videos klicken, sehr interessante Sachen dabei) statt und wie bereits im Jahr zuvor, darf auch diesmal wieder ein Teilnehmer seinen Mix vor großem Publikum präsentieren. Definitiv eine gute Sache, denn auch wenn Thompson momentan noch ein unbeschriebenes Blatt zu sein scheint, so kann das in einigen Monaten schon ganz anders aussehen. Bestes Beispiel dafür ist der Südafrikaner Culoe De Song, den, genau wie Javier López García, im letzten Jahr noch niemand kannte, der aber nach seinem Mix für Resident Advisor Releases auf etablierten Labels wie Innervisions oder Mule folgen ließ und heute weltweit in Sachen elektronischer Musik unterwegs ist.

Und während sich im Forum schon wieder einige über das stellenweise “dodgy mixing” auslassen, so erfreue ich mich doch lieber an der tollen Trackauswahl und dem größtenweils eben doch fantastischen Übergängen. Perfektion ist eh langweilig und Thompson feuert keine 0815 Techhousebretter ab, sondern liefert mit seinem Mix einen funky Soundtrack für einen entspannten Tag wie diesen heute. Ich liebe diesen Mix zwischen alten Soul- und Funkscheiben, Edits ebendieser und einem gesunden Anteil neuer Veröffentlichungen, die sich aber super ins Gesamtbild fügen. Und vor allem mag ich es, wenn mir ein Mix neben bekannten Tracks wie das herrliche “Can’t you see me” von Roy Ayers auch neue Musik präsentieren kann, denn den Track von Sylvia Striplin könnte ich eigentlich ganztags in Endlosschleife hören. Also, Mix anhören, Interview lesen und diesen Thompson mal im Auge behalten, ich wette da kommen noch tolle Sachen auf uns zu.

Tracklist:

01. Trus’me – Can We Pretend
02. Johnny Hammond – Tell Me What To Do
03. The Crusaders – Merry-Go-Round
04. Roy Ayers – Can’t You See Me?
05. Sylvia Striplin – Give Me Your Love
06. The Salsoul Orchestra feat. Loleatta Holloway – Seconds
07. Evelyn Champagne King – I Don’t Know (PPF Re-Edit)
08. Spirit Of Atlanta – Messin Around
09. Louie Vega & The Elements Of Life feat Anane – One Dream (GP Edit)
10. Miango – Mussiki E (Jungle Mix)
11. Norma Jean Bell – I’m The Baddest Bitch (In The Room)
12. Taana Gardner – When You Touch Me (MAW Re-Edit)
14. Lego – El Ritmo de Verdad
15. Jon Lucien – Mi Vida

Download: resident advisor server / mp3 / 72,4 MB (funktioniert nur 3 bis 4 Wochen)

Blauer Pfeil
Kategorie: Fundstücke / 24.02.10 / Kommentar hinzufügen
Ralph Caspers bei Zimmer Frei!

Chefsympath und zumindest optisch Ewigjugendlicher, Ralph Caspers, zu Gast bei Zimmer Frei!. Hätte sowieso gedacht, dass er schon lange eingezogen ist, aber offenbar irrte ich und jetzt wird es auch endlich mal Zeit dafür. Caspers, gekleidet in Threadless Shirt und seiner typischen Brille, plaudert wie immer symphatisch und wissensreich aus dem Nähkästchen und dabei herausgekommen ist eine der tollsten Zimmer Frei! Folgen seit langem.

Die komplette Sendung gibt es hier als mp4 Stream: Link. Viel Spaß beim Gucken.

Blauer Pfeil
Kategorie: Flimmerkiste / 23.02.10 / 3 Kommentare
Schon wieder Radio Love Love

Ich weiß, Huss und Hodn bekommen für manchen sicherlich über das gewünschte Maß hinaus Aufmerksamkeit in diesem Blog, doch ich kann nicht anders. Radio Love Love flasht mich Woche für Woche einfach immer noch zu sehr, als dass ich es bei einem Beitrag belassen könnte und lieber nochmal auf die mittlerweile zwanzigste Folge hinweise und für die ganz Faulen auch direkt mal als Player einbinde:

Ihr wisst was ihr bekommt: 2 Stunden Jazz, Soul, Funk und Rap in einem wunderbaren Mix, inklusive der “Platte die in einem grottenschlechten Zustand, aber trotzdem fantastisch ist” und beste Unterhaltung im Gesamtpaket. Einer meiner Favoriten war und ist übrigens auch das Radio Love Love Special auf Kölncampus, welches mit Freestyles vom Retrogott und Fleur Earth mehr als fresh um die Ecke kam, allerdings leider auch schon wieder von Souncloud gekickt wurde. So schenke doch jemand diesen Jungs mal einen Pro-Account oder was man da eben so braucht, bitte! Aber wie ihr im Blog seht, gibt es ja bereits die ersten elf Episoden als normalen Download, der Rest und auch dieses Spezial wird sicher folgen, ebenso die Tracklist zur Episode 20. Soviel sei aber schon verraten: Der erste, leider nur sehr kurz angespielte Track ist ein Huss & Hodn Instrumental und haut mich auch nach hundert mal hören noch immer aus den Latschen.

Und wie es der Zufall so will, stecken Twit One und Hulk Hodn als Beatbastler auch hinter einem meiner derzeitigen Lieblingsalben, nämlich Skurreal von Fleur Earth. Die/Sie war/en vor ein paar Monaten live in Jena unterwegs und ich Trottel bin aus Unwissenheit nicht hingegangen. So bleibt mir nur die fantastische Platte und die Hoffnung auf eine erneute Chance. Doch zu Fleur Earth dann mehr in den nächsten Tagen.

Blauer Pfeil
Kategorie: Fundstücke / 22.02.10 / Kommentar hinzufügen
Beach House

Tut mir leid, aber alles was in diesem Jahr noch an träumerischen Pop zwischen Mazzy Star, Low und Ride erscheint, wird sich wohl an Teen Dream, dem neuen Album von Beach House messen lassen müssen. Zu schön die Melodien, zu schwelgerisch der Sound und zu perfekt die Harmonie zwischen Victoria Legrand und Alex Scally (wer da von den beiden hauptsächlich singt, das hat mich übrigens nach ein bisschen Internetrecherche dann doch überrascht), als dass da noch ein besseres Album mit dem Stempel “Dreampop” in diesem Jahr erscheinen könnte. Und selbst wenn gerade mal der Februar leise àdieu sagt, fällt es mir schon wieder schwer mich gegen das Denken und Hören in Jahresendlisten zu wehren, doch genau dort hat sich Teen Dream schon jetzt ganz oben festgesetzt.

Beach House

Eine angenehme Langsamkeit zieht sich durch beinah das gesamte Album, lediglich zwei bis drei Songs, etwa das herrlich schwingende “Used to be”, gehen die Sache etwas flotter an, wobei “flott” bei Beach House noch immer an den ganz eigenen Maßstäben gemessen werden muss. Nach den Fleet Foxes erfreut uns das Label Sub Pop also schon wieder mit einem Album das einen kleinen bis mittelgroßen Hype nach sich zieht, diesen auch verdient und vor allem überdauern wird. Perfekte Platte für die letzten regnerischen Tage vor und die lauen Nächte im Sommer. Und auch sonst immer und immer wieder, hach.

Blauer Pfeil
Kategorie: Plattenkritiken / 22.02.10 / Kommentar hinzufügen
Symptoms Of Love

Bisher war mir Alex Storrer nur unter seinem Alias Kawabata, und somit seinen Releases auf der Houseschmiede Drumpoet Community aus Zürich ein Begriff. Als Lexx veröffentlicht der Schweizer Produzent und DJ allerdings bereits seit 2001 fantastische Platten zwischen House und Disco (und… und … Pop). Dank keep-it-deep, einem meiner derzeitigen Lieblingsblogs, weiß ich jetzt auch, dass Lexx fantastische Mixe abseits des Dancefloors zusammenstellt, welche weniger auf die Beine als vielmehr auf das Herz zielen. Und sie treffen, aber wie.

Lexx

Einer dieser Mixe ist in dem ebenfalls fantastischen Blog Test Pressing (RSS ist eine fantastische Erfindung) zu finden, heißt “Symptoms Of Love” und bietet knapp über eine Stunde super selektierten (Soft) Rock und Pop. Freundlicherweise gibt’s dazu auch gleich noch eine Trackliste (siehe unten) und bis auf Sunbear, Smith & Mudd, Tommy Guerrero, Jose Gonzales und die The Stills Young Band (ja, richtig, mit dem Neil Young) kannte ich davon bisher gar nichts. Aber so ist das eben, wenn sich Leute schon ihr halbes Leben lang durch Plattenkisten wühlen und dabei unbekannte Schätze an Land ziehen, es gibt jede Menge zu entdecken und uns freut es.

Wem dieser Mix gefällt, der findet im Test Pressing Blog übrigens auch noch einen zweiten (ebenso genialen) Mix von Lexx. Dafür bitte hier entlang. Jetzt aber erstmal “Symptoms Of Love”, der perfekte Soundtrack für einen entspannten Sonntag und alle weiteren Wochentage:

Tracklist:

01. Bob Lind – Cool Summer
02. Gordon Lightfoot – Something Very Special
03. Thorinshield – The Best Of It
04. Soft Soul Transition – She Came Back
05. Nimbus – What You Mean To Me
06. David Batteau – You Need Love
07. Ned Doheny – The Devil In You
08. Matthew Larkin Cassell – All That I’m Missing
09. Sunbear – Let Love Flow For Peace
10. Michael Franks – Monkey See, Monkey Do
11. The Stills Young Band – Midnight On The Bay
12. Happy End – Natsu Nandesu
13. Heaven & Earth – Feel the Spirit (Slight Edit)
14. The Lovin’ Spoonful – Coconut Grove
15. Jose Gonzales – Sensing Owls
16. Tommy Guerrero – And the Folklore Continues
17. Edwyn Collins – You Never Know My Love (Dub)
18. Smith & Mudd – Ling Ling
19. Nimbus – Hold Me Close

Download: testpressing server / mp3 / 60,4 MB

Blauer Pfeil
Kategorie: Fundstücke / 20.02.10 / Kommentar hinzufügen
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